Rückschau
Mittsommernachts-Wanderung über die Hohne & Exkursion mit den Waldtrollen und Waldgeistern
Wanderung & Exkursion mit dem Harzklub ZV Goslar e.V. in Kooperation mit dem Nationalpark Harz
Das vergangene Wochenende war nicht nur extrem heiß, sondern auch ziemlich ereignisreich.
Am Freitag stand trotz der Hitze die alljährliche Mittsommernachtswanderung mit dem Harzklub Zweigverein Goslar e. V. auf dem Programm. Trotz des Starts um 18:00 Uhr lagen die Temperaturen immer noch bei rund 30°C. Eine leichte Brise machte es zumindest anfangs nur bedingt erträglicher.
Viele Teilnehmer*innen hatten aufgrund des Wetters verständlicherweise kurzfristig abgesagt. Das liegt in der Natur der Sache, denn man sollte nicht nur unter extremen Bedingungen wissen, was man seinem Körper zumuten möchte, vor allem aber auch kann.
Und so machte sich nur eine kleine Gruppe von sechs Teilnehmer*innen mit mir auf die rund zwölf Kilometer und 400 Höhenmeter umfassende Tour in die Hochlagen des Nationalparks in Sachsen-Anhalt. Auf Eichendorffs Spuren ging es über den altehrwürdigen Hohnehof vorbei an Bergwiesen und Waldweiden sowie den Diorithang stetig hinauf ins Reich des Brockenplutons. Im Bereich der Hohne zeigt sich der (Nationalpark) Harz von seiner wildesten Seite. Gleichfalls allerdings auch von seiner für Wanderer*innen herausfordensten Seite. Der Laune und Motivation tat dies jedoch keinen Abbruch. Es wurden viele wie regelmäßige Trinkpausen eingelegt, Ausblicke gen Brocken, Ilsenburg, Wernigerode und Elbingerode genossen, bizarre Wollsackverwitterungen bestaunt, auf Tuchfühlung mit Blindschleichen gegangen bis der Hohnekamm bzw. das Felsenreich zwischen Fichten, Heide, Ebereschen und Blaubeeren erreicht war.

Angekommen am höchsten Punkt der Tour auf der Leistenklippe in einer Höhe von 901 m durften wir nicht nur den traumhaften Sonnenuntergang zwischen Brocken, Landmann und Erdbeerkopf bewundern. Gleichfalls war auf der gegenüberliegenden Seite über dem Hohnekopf schon der Mond hoch am Firmament aufgestiegen.
Der Abstieg über den Hornfels der Bärenklippe und die wilden Totholzstrukturen brachte uns mit jedem Meter gen Hohnehof und Drei Annen Hohne ein Stück weit wieder in höhere Temperaturgefilde zurück, denen wir auf dem Kamm für kurze Zeit entkommen waren.
Witterungsbedingt dauerte die Tour schließlich rund eine Stunde länger, als sie ursprünglich angesetzt war. Dennoch kamen alle Teilnehmer*innen ausgepowert aber gesund, munter, beseelt und zufrieden am Ausgangspunkt an.
Nachdem es im vergangenen Jahr bei der Mittsommernachts-Wanderung über den Bruchberg für die Jahreszeit empfindlich kühl war, sollte es nach den diesjährigen Hitzekapriolen im kommenden Jahr endlich mal wieder Zeit für normale Bedingungen sein.
Am Sonntag ging es dann mit den Waldtrollen und den Waldgeistern bzw. mit der Kinder- und Jugendgruppe des Harzklub Zweigvereins Goslar e. V. auf einen Ausflug nach Bad Harzburg. Vom Burgberg durfte ich die Kids durch den Nationalpark zum Luchsgehege an den Rabenklippen führen.
Unterwegs bekamen unsere Steppkes einen anschaulichen, kindgerechten Überblick und Einblick in die Lebensweise der größten Raubkatze Mitteleuropas, insbesondere im Harz. Auch hier durften natürlich viele Trinkpausen nicht fehlen, wobei sich sowohl die Kiddies, wie auch die erwachsenen Begleiter*innen unter mediteranen Bedingungen in der Nachmittagssonne wacker schlugen.

Angekommen am Luchsgehege hielten sich unsere Harzer Gehegeluchse streng und katzenkonform an ihren Hitzeschutzplan. „Action“ aus nächster Nähe bekamen die Geister und Trolle leider nicht geboten, dennoch durften sie zumindest Blicke auf zwei von acht Luchsen aus der Ferne erhaschen, was das Erlebnis jedoch nicht unbedingt geschmälert hat.
Acht Luchse? Richtig! Eingeweihte fragen sich vielleicht, woher diese Zahl auf einmal kommt. Denn neben den Geschwistern Alice, Ellen und Kuder Paul waren doch im letzten Jahr lediglich der schweizer Kuder Reto sowie die ukrainische Luchs-Dame Rikki neu an die Rabenklippen gezogen. Doch der Nationalpark Harz hatte passend in der vergangenen Woche endlich die Geburt von drei Jungluchsen im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für den Eurasischen Luchs verkündet. Alle Mühen und Anstrengungen, die seit dem Entschluss des Nationalparks 2024, sich im Zuge des europaweiten Projektes mit dem Luchsprojekt Harz zu engagieren, wurden nun durch das Zuchtpaar Rikki und Reto erfüllt. Auch wenn Besucher*innen die drei wilden Kätzchen nur auf offiziellen Fotos zu Gesicht bekommen werden. Wenn alles gut verläuft wird man sie mit ganz viel Glück ab dem kommenden Jahr nach ihrer Auswilderung im Schwarzwald, im Thüringer Wald oder im Erzgebirge in der freien Natur bewundern dürfen.

Abseits dieses Exkurses ging es für die Waldtrolle und -geister danach im Schatten des Kalten Tals hinab und zurück nach Bad Harzburg, wo alle wohlbehalten von ihren Eltern in Empfang genommen wurden.
Im August gibt es dann erneut Informationen zu aktuellen Entwicklungen rund um den Eurasischen Luchs im Harz, im Wald und anderswo auf der zweiten „Luchs-Tour“ in diesem Jahr!
Infos und Anmeldung über „Abenteuer 2026“!